Archiv für den Monat: November 2017

Lasst Lehrerinnen Lehrerinnen sein.

Einladung zur neuntzehnten Runde am 24.11.2017, 16:30 – 17:30 Uhr in Frauenfeld

[Die vollständigen Texte findest du hier.]

Lasst Kinder Kinder sein.

Matthias Meili im Tagesanzeiger vom 16.11.2017:

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«Kinder sind nicht nur glücklich, sie sind nachdenklich, fröhlich, verzweifelt – sind alles, was Erwachsene auch sind.» Dies zu akzeptieren, wäre schon einmal die halbe Miete im Umgang mit Kindern. Sie können auch mal traurig, niedergeschlagen, depressiv sein. Aber dann brauchen sie eine helfende Hand, eine liebende Mutter, einen fürsorglichen Vater oder gute Freunde.

Was diese Kinder sicher nicht brauchen, sind Psychiater und Antidepressiva. Aber Zeit und Raum, um sich die Welt spielerisch anzueignen, wie es ihrem Alter entspricht – davon können sie nicht genug haben. Plus vielleicht eine Aufgabe, die sie fordert und anregt.

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«Der Leistungs- und Förderwahn führt in einen Teufelskreis.»

Erstens: die leistungsorientierte Gesellschaft. Wir wollen immer das Optimum, die besten Schulen, die schönste Freizeit, den höchsten Lohn. Selten werden diese Anforderungen offen ausgesprochen. Den meisten Eltern liegt es fern, gute Noten zu fordern oder gar schlechte zu bestrafen. Doch Kinder haben ein feines Gespür für Erwartungen. Sie riechen Belohnungen, wenn sie noch nicht einmal in Aussicht gestellt werden. Psychiater sagen, dass sich ihre kleinen Patienten selber einem enormen Leistungsdruck aussetzen, vor allem die Mädchen – und oft daran scheitern.

Zweitens: die leistungsorientierte Schule. Bereits im Kindergarten werden die Fähigkeiten der Kinder in peinlich genauen Beurteilungs­bogen erfasst. Wie ist das Sozialverhalten? Wie entwickeln sich die sprachlichen, wie die mathematischen Fähigkeiten des Kindes? Grobmotorisch, feinmotorisch? Alles müssen die Lehrer pedantisch ausfüllen und kommentieren. Der Beurteilungsbogen im Kindergarten erinnert eher an ein Assessment für einen Managerposten als an die Wertschätzung für einen Dreikäsehoch.

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Drittens: der Fokus auf Schwächen. Wo es früher bei der Berufswahl darum ging herauszufinden, was man gerne macht, gilt es heute Schwächen und Stärken zu analysieren. Auch das beginnt schon früh. In den ersten Schuljahren gibt es zwar keine Noten, aber die Fixierung auf die Schwächen der Kinder sticht ins Auge. Die Punkte mit Förderbedarf sind im Beurteilungs­bogen dick orange eingefärbt, die Stärken verschwinden unter einem blassen Grün. Das Elterngespräch dreht sich zu drei Vierteln darum, was das Kind besser machen kann. Und wo es nicht der Norm entspricht, wird es aus der Klasse genommen und gefördert, mit Heilpädagogik, Psychomotorik, Ergotherapie. Doch die gut gemeinte Botschaft kommt anders an. Wo habe ich versagt? Wo muss ich mich mehr anstrengen?


Integrationsklassen schneiden bei Leistungstests schlecht ab

Raphaela Birrer im Tagesanzeiger vom 22.11.2017

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Integration: Alle Kinder verbleiben im Untersuchungszeitraum in der Regelklasse. Beide Schülergruppen geben an, sich in ihrer Klasse wohlzufühlen; die Lehrer beurteilen das Klima negativer.

Verhalten: Problematische Verhaltensweisen in den Klassen bleiben konstant oder nehmen ab. Kinder mit besonderem Förderbedarf haben mehr Verhaltensprobleme als Schüler ohne. Die Studie weist zudem eine Wechselwirkung zwischen der Einschätzung der Verhaltensprobleme durch die Lehrer und dem tatsächlichen Verhalten der Schüler nach. Konkret: Ist die Lehrperson pessimistisch bezüglich der Lern- und Verhaltensfortschritte eines Schülers, tritt die negative Entwicklung eher ein.

Leistung: Ein Drittel der nicht förderbedürftigen und zwei Drittel der förderbedürftigen Schüler erreichen in den standardisierten Cockpit-Leistungstests das Minimalniveau in Mathematik und Deutsch nicht. Damit schneiden die Kinder schlechter ab als die repräsentative Stichprobe von 500 Schülern, an der die Tests geeicht wurden. Gleichzeitig haben die meisten förderbedürftigen Schüler eine genügende Zeugnisnote (Mathe: zwei Drittel, Deutsch: drei Viertel). Bei den nicht Förderbedürftigen sind es fast alle.

Leistung oder Integration?

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